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Chronik Teil 3
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Chronik Teil 3

Zwischen den Weltkriegen

Auch nach Beendigung des Krieges wurde das Schützenfest von der belgischen Besatzung von 1919 bis 1924 erheblich behindert bzw. überhaupt nicht gestattet. Lediglich 1922 wurde ein Schützenfest genehmigt. Allerdings hatten die Belgier das Vogelschießen verboten. So konnte die Königswürde nur nach Art eines Glückspiels erworben werden. In der Gastwirtschaft "Zum Deutschen Eck" mussten 1922 deshalb die Schützen an Schnüren -insgesamt gab es 250 Stück- ziehen, an deren verdecktem Ende die Pfänder hingen. Aus der Gesellschaft Jägerlust kam nach diesem Verfahren der neue König: Gründungsmitglied Bernhard Rennertz. Mit dem Ziehen an der Strippe wurde auch 1925 in der Gastwirtschaft von Ludwig Peter der König der Bruderschaft ermittelt.

1925 fand das 25jährige Jubiläum stat, das vom 11. bis 13. Juli gefeiert wurde. Elf der 22 Gründungsmitglieder nahmen daran teil. Eröffnet wurde die Jubelfeier mit einem Festbankett im Saal des Gastwirts Josef Delmes an der Düsseldorfer Str., Ecke Poststraße. Musikalisch umrahmt wurde das Fest von den Büdericher Männergesangvereinen "Sängerbund" und "Liederkranz" sowie vom Kirchenchor "Cäcilia". Der Radfahrverein Osterath führte Kunststücke vor. Am Sonntag folgte ein feierliches Hochamt für die lebenden und verstorbenen Mitglieder der Gesellschaft mit anschließender Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal gegenüber der Kirche. Dieses Denkmal existiert heute nicht mehr. Nachmittags fand im Vereinslokal Wilhelm Schumacher nach dem Empfang der auswärtigen Vereine ein Preisschießen statt. Am Abend veranstaltete die Gesellschaft im Saal von Ludwig Peter einen Festball. Mit einem Frühschoppen und einem abendlichen gemütlichen Zusammensein am Montag klang das Jubelfest aus.

Insgesamt war die Gesellschaft auf 33 Mitglieder angewachsen, von denen sechs dem Vorstand angehörten. Es wurde eine kleine Festschrift herausgegeben, die jedoch nur wenige Nachrrichten aus den vergangenen 25 Jahren bringt. Es überwiegen die Werbeanzeigen der Gewerbetreibenden. Aus dem Protokollbuch erfahren wir die weiteren Geschicke der Gesellschaft ab 1926. Mit dem letzten Eintrag endet am 26.6.1938 das Protokollbuch. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war die nächste Generation herangewachsen; die Söhne der Gründer traten in die Gesellschaft ein. So wurden auch und nach vier von den sechs Söhnen des ersten Schützenkönigs Stephan Bender Mitglieder der Jägerlust.

1925 wurden die Mitglieder mit neuen Röcken ausgestattet, die in Düsseldorf im Kaufhaus Gustav Carsch & Co. gekauft wurden. Der Stückpreis für die "Schützenjoppne", von denen 25 Stück angeschafft wurden, betrug 51 Mark. Zwei Jahre später wurden 38 Hüte bei Josef Jülich gekauft, dessen Ehefrau auf dem Necklenbroich ein Putzmachergeschäft betrieb. Bereits die Vereinssatzung von 1902 nennt als Hauptzweck der Geselschaft die Pflege der Geselligkeit, von der wir eine Menge aus den 20er und 30er Jahren erfahren. 1927-28 fanden die Bälle bei Delmes in der Meer statt, Vereinslokal war die Gastwirtschaft von Schumacher auf dem Necklenbroich, das Schießen der Kompanie fand bei Hartz, Necklenbroicher Straße, Ecke Kanzlei statt. Die Familienausflüge fanden, wie auch bei den anderen Büdericher Vereinen üblich, ihr Ziel in Bösinghoven, wobei die größere Strecke dorthin zu Fuß gemacht werden musste, da mit der Straßenbahnlinie "M" nur Strümp erreicht werden konnte. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg feierten die ersten Gründungsmitglieder ihre Silberhochzeiten, die jeweils von einem Fackelzug unter Begleitung der Blaskapelle des Jünglingsvereins umrahmt wurden. 1932 wurde eine Silberhochzeit mit dem Fanfarenkorps des Reitervereins gefeiert.

1929 verunglückte Gründungsmitglied Gottfried Fells tödlich. Er wurde unter großem Geleit zu Grabe getragen. Auch wurden die Beziehungen zu anderen Vereinen gepflegt. Hierzu gehörten in Büderich die Mauritius-Kompanie, außerhalb Büderich Vereine in Heerdt und Büttgen-Driesch. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg übernahmen zwei Mitglieder der Gesellschaft auch Aufgaben im Vorstand und Beirat der Bruderschaft: Johann Jülich und-wie bereits erwähnt- Michael Mostert. 1930 setzte Jakob Bender nach Vater und Großvater die Tradition der Familie fort und wurde Schützenkönig. Die Freude seiner Schützenbrüder wurde allerdings wenig später getrübt, als Jakob Bender zum Reiterverein überwechselte. Im gleichen Jahr erhielten die Mitglieder neue Hüte, Schärpen, Schießschnüre und Krawatten, die von der Ehefrau des Josef Jülich geliefert wurden. 1933 wurde noch der Stehragen eingeführt.

Im Dienste der Kirche übernahm die Gesellschaft die Ehrenwache bei der Fronleichnams- und Herz-Jesu-Prozession im Wechsel mit der Jägerkompanie "Eintracht". Für die beiden Kompanien war die Teilnahme an der Herz-Jesu-Prozession Ehrensache, sie zog nämlich über die Straßen, wo sie wohnten. Über die Necklenbroicher Straße führte der Weg über Schackumer Straße und Gasse zum Brühl. Von dort ging es zurück zur Pfarrkirche St. Mauritius. Die vier Segensaltäre standen auf der Obstwiese des Kreutzerhofes (genannt Klomphösch), bei Haus Schackum, an Friene-Kapellche in der Gasse Ecke Dülsweg und letztendlich am Schirmershof auf dem Brühl gegenüber der Gaststätte von Ludwig Peter. 1927 wurde auch vorgeschlagen, einen Fastnachtszug zu veranstalten. Ob es dazu gekommen ist, ist nicht übeliefert. Dennoch wurde die Idee, sich auch zur Fastnachtszeit zu betätigen nicht fallen gelassen. 1933 wurde dann erstmals ein Klompenball veranstaltet. 1932-33 wird von der schlechten Wirtschaftlage berichtet, die eine Auswirkung der Weltwirtschaftskriese war. Der Kassierer klagte über die schlechte Zahlungsmoral bei den Mitgliedern.1932 erhielten die Erwerbslosen zur Kirmes drei Glas Bier auf Kosten der Vereinskasse. 1934 wurde dies auf vier große Bier erweitert. Stimmungskanone in der Gesellschaft war Heinrich Schiffer. 1935 berichtet das Protokollbuch, dass die Stimmung in der Gesellschaft "mau sei, da Heinrich sich ein Weib genommen" habe.

Die Bemühungen, im Fastnachtsbrauchtum aktiv zu sein, hatte 1936 Erfolg. Es wurde ein Tonnenrennen -nach Niederkasseler Vorbild- rund um den Kreuzweiher veranstaltet. 21 "Schörskarren" wurden für den Start gemeldet. Auch fand ein Amazonenrennen, ein Rennen für Frauen, statt, das eine Magd vom Kreutzerhof gewann. Der Kreutzweiher, später nach seinem Besitzer Delmes-Weiher genannt, befand sich am unteren Hohegrabenweg, der deshalb auch "Weihischjaat" genannt wurde; der Weiher existiert heute nicht mehr, denn er wurde in den 70er Jahren mit Wohnblocks überbaut. Die Rennstrecke führte vom Start an der Gaststätte Schumacher über die Necklenbroicher Straße, Hohengrabenweg und über die Kapellenstraße (heute Kanzlei) zurück. In Erinnerung an das Tonnenrennen hing über viele Jahre im Vereinslokal ein Modell einer "Schörskarre".

Studiert man das Protokollbuch, finden wir trotz der bewegten Zeit keine großen Ereignisse vermerkt. Die gravierenden Veränderungen im Zuge der Machübernahme durch die Nationalsozialisten fanden keinen Niederschlag in den Berichten. Sozusagen kommentarlos wird der Vorsitzende, der seit 1931 Präsident genannt wurde, ab März 1934 als Vereinsführer bezeichnet, die übrigen Mitglieder des Vorstandes bildeten den Vereinsrat. Im gleichen Jahr wurde die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft aufgelöst und die Neugründung des Deutschen Schützenbundes angeordnet. In den Jahren 1926 bis 1938 betrug die Mitgliederzahl um die 40, wobei 1929 mit 43 Mitgliedern der Höchststand nach dem ersten Weltkrieg erreicht wurde. 1939 wurde das letzte Schützenfest in Büderich gefeiert. Im September des gleichen Jahres begann mit der Besetzung Polens der verheerende Zweite Weltkrieg. Der Zusammenhalt der Jägerlust bestand auch während des Krieges; bis 1943 zahlten die Mitglieder noch ihre Beiträge. Danach ist das Vereinsleben durch die zunehmende Härte des Krieges offensichtlich ganz zum Erliegen gekommen. Vier Gefallene waren bei Kriegsende zu beklagen.

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